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Stark fürs Leben: Persönlichkeit im Schnee entfalten.

Schneesport ist weit mehr als reine Körperbewegung. In der verschneiten Natur lernen Kinder und Jugendliche, eigenen Grenzen zu begegnen, Verantwortung zu übernehmen und außergewöhnliche Herausforderungen mutig zu meistern. Das Erleben von Mitbestimmung und Solidarität stärkt das Selbstvertrauen und fördert die individuelle Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig (Bähr & Krick, 2009)

Das Fundament: Die 3 Säulen der Persönlichkeitsentwicklung im Schnee

Schneesport fördert die Persönlichkeitsbildung über das sportliche Können hinaus. Aus sportpädagogischer Sicht stützt sich die Persönlichkeitsbildung im alpinen Raum auf drei zentrale Säulen:

Selbstständigkeit & Verantwortung

Im alpinen Raum wird selbstständiges Handeln durch das Übernehmen von Verantwortung für das eigene Handeln gefördert. Schüler*innen lernen sich eigenverantwortlich um ihre Ausrüstung (Ankleiden, Materialpflege) zu kümmern, Sicherheitsabsprachen zu verstehen und umzusetzen, sowie die FIS-Pistenregeln einzuhalten.

Gefühls- & Stressregulation

Die verschneite Winterwelt wirkt als neuer, beruhigender Erfahrungsraum, der Schülerinnen und Schülern psychische Entlastung und Erholung bietet. Indem sie Angst- und Unsicherheitsmomenten in einem geschützten Lernumfeld begegnen und diese bewältigen, erleben sie Freude am eigenen Lernfortschritt (vgl. Bubeck).

Werte & Orientierung

Wintersport vermittelt wertvolle Werte für den respektvollen Umgang mit Natur, Material und den eigenen physischen Ressourcen. Solidarität im Sinne einer Anerkennung der Rechte und Bedürfnisse anderer (Bähr & Krick, 2009). Soziale Kompetenzen wie Empathie, gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft werden praktisch geübt. 

Kompetenzen im Detail: Wie Kinder an Herausforderungen wachsen

⛷️
Selbstbewusstsein & Erfolgserlebnisse
Grenzerfahrungen & Vertrauen
Das Bewältigen neuer Herausforderungen – wie die erste Steilabfahrt oder das Ausführen einer sauberen Kurve – schenkt Schülerinnen und Schülern unvergessliche Erfolgserlebnisse.
🎯
Risikokompetenz & Selbsteinschätzung
Eigenverantwortung & Mitbestimmung
Auf der Piste lernen Kinder, eigene Grenzen realistisch einzuschätzen, Risiken abzuwägen und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen (Bähr & Krick, 2009).
🛡️
Resilienz & Frustrationstoleranz
Durchhaltevermögen & Lernfreude
Hinfallen, Aufstehen und Weiterfahren: Der konstruktive Umgang mit Fehlversuchen schult die Frustrationstoleranz und schafft emotionale Stärke (Künzell et al., 2008).
🤝
Partizipation
Mitbestimmung & Eigenverantwortung
Mitbestimmung und eigenverantwortliches Handeln fördern den Zusammenhalt und die soziale Kompetenz. Die Einbindung in Planung und Organisation vermittelt die Fähigkeit zur Selbst- und Mitbestimmung (Bähr & Krick, 2009).

Fächerübergreifende Bildung & Umwelterziehung

Die gestärkte Persönlichkeit, das Erleben von Selbstwirksamkeit und die Verantwortung für die Gruppe bilden das ideale Fundament, um über den Sport hinaus zu lernen. Genau hier setzt der fächerübergreifende Unterricht an: Wer gelernt hat, im Schnee Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, ist auch bereit, komplexe ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge, wie den Klimawandel oder den Schutz unserer Natur, fächerverbindend zu durchdenken (Künzel et al., 2008).

"Nur wer die Natur schätzen lernt, lebt nachhaltig."

 

Nachhaltige Entwicklung als Bildungsziel

Wintersport eignet sich hervorragend als fächerübergreifendes Thema (Biologie, Physik, Erdkunde, Geschichte), um Inhalte spannend und praxisnah zu vermitteln. Gleichzeitig bietet er ideale Voraussetzungen, um Umwelterziehung in den Unterricht zu integrieren. Durch hautnahe Naturerlebnisse wie Iglubau oder Schneeschuhwandern bauen Schüler*innen fundiertes Umweltwissen auf, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen (Luthe, 2007; Künzel et al. 2008). 

Wintersport biete hervorragende Möglichkeiten, eine nachhaltige Entwicklung als Bildungsziel zu integrieren (Luthe, 2007). 

Mehr Informationen hier


Aschauer, E., Ritter, E., Resch, H., Thoeni, H. & Spatzenegger, H. (2007). Verletzungen und Verletzungsrisiko beim Ski- und Snowboardsport. Der Unfallchirurg, 110, 301-316.

Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (2014). Die UN-Behindertenrechtskonvention. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Bonn: BMAS.

Bähr, I. & Krick, F. (2009). Selbsteinschätzung von Schlüsselkompetenzen allgemeiner Bildung im Sportunterricht (SSK-Sport). Entwicklung eines Kurzfragebogens für die Unterrichtspraxis. Sportwissenschaft, 39 (3), 223-231.

Deutscher Skiverband (Hrsg.). (2004). Schneesport an Schulen. Schriftenreihe des Deutschen Skiverbandes Band 2. Planegg: Deutscher Skiverband.

Künzell, S., Szymanski, B. & Theis, R. (2008). Warum Schneesport unterrichten? In I. Bach (Hrsg.), Skilauf und Snowboard in Lehre und Forschung, Band 18, (S. 9-19). Hamburg: Feldhaus, Czwalina.

Löllgen, H., Kunstmann, W. & Engelbrecht, J. (2002). Körperliche Aktivität beugt Krankheiten vor. Deutsches Ärzteblatt, 99, A2758-A2760.

Reuker, S. (2007). Chancen schulischer Sport- und Bewegungsangebote – Verändern erlebnispädagogische Schulfahrten die soziale Handlungsbereitschaft? Justus-Liebig-Universität Gießen: Unveröffentlichte Dissertationsschrift.

Roth, R., Lienemann, T., Thomann, A., Jakob, E. & Schaeben, J. (2012). ticket2nature. Ein Ticket für die Zukunft unserer Kinder! Einzigartige Natursporterlebnisse, im Sommer wie auch Winter, im ticket2nature-Camp. Köln: SIS, Deutsche Sporthochschule Köln.

Schira, Pierre (2014). Schneesport in der Schule – Aktionsfeld Schnee. In Regierungspräsidium Karlsruhe, Abteilung Schule und Bildung, Fachbereich Sport (Hrsg.), Info. Fachbereich Sport. (42) (S. 9-19). Karlsruhe: Regierungspräsidium Karlsruhe.

Tiemann, H. (2013). Inklusiver Sportunterricht. Ansätze und Modelle. Sportpädagogik, 37(6), 47-50.